Die Befreiung und die deutsche Gesellschaft
Die Befreiung
Am 8. Mai unterzeichnete der General Eisenhower die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht und beendete so den 2. Weltkrieg und den nationalsozialistischen Terror. Damit endete für viele die Zeit der Angst und des Schreckens, welche die Deutschen in ganz Europa verbreitet hatten. Dem vorraus waren 13 Jahre gegangen in denen die Deutschen fern von jeder Zivilisation kategorisch ihre Nation „gesäubert“ hatten. So waren Juden und Jüdinnen, Sinti und Roma, Homosexuelle, sogenante Asoziale, AntifaschistInnen, KommunistInnen, SozialdemokratInnen und etliche andere, welche nicht in ihr perfides Weltbild gepasst hatten, oder sich gegen den Volkswillen aufgelehnt hatten, schlichtweg vernichtet oder in Arbeitslager gesperrt worden, wo auf sie nichts anderes wartete als der Tod. Doch nicht nur in Deutschland hatten die Deutschen ihren Wahn ausgelebt, sondern sie hatten Polen, Frankreich, Finnland, Norwegen, Italien, Belgien, Ungarn, Griechenland, Serbien, Teile Russlands, Bulgarien, Algerien, Marokko und Tunesien besetzt, um so ihre Vorstellung eines deutschen Großreiches und eines Europas unter deutscher Herrschaft zu verwirklichen.
Mit dem 8. Mai endete dieser Wahn, Deutschland und die besetzten Gebiete wurden befreit, die Konzentrationslager geräumt und die Deutschen entwaffnet. Doch wer wurde da befreit? Sicherlich alle die von den Nazis verfolgt worden waren, und die Menschen, die in den besetzten Ländern gelebt hatten. Offiziell wurde die deutsche Gesellschaft vom faschistischen Staatswesen befreit, und nun von den Alliierten regiert. Doch die Menschen, welche damals in Deutschland lebten, und zuvor die Shoa begangen und die besagten 13 Jahre lang ihren Volkswillen ausgelebt hatten, wurden ganz sicher nicht befreit. Auf dem Papier wurden die Deutschen entnazifiert, doch es ist kein Geheimniss mehr, dass die Entnazifizierung wirklich nur auf dem Papier stattfand, und ihre Wirkung völlig verfehlte. In den ostdeutschen Gebieten wurde bald der sozialistische Staat ausgerufen, und der Ideologie der DDR zufolge konnte es in einem solchen Staat keine Nazis geben. In den westdeutschen Gebieten wurde auch bald die Entnazifizierung abgebrochen, und Deutschlands Militär gestärkt, war doch kalter Krieg, und Westdeutschland gut angreifbar für die Sowjetunion. Doch nach Ende des 2. Weltkrieges gab es scheinbar eh keine Faschisten mehr in Deutschland. Vielmehr waren es nun die bösen Nazis, welche die guten Deutschen verführt, überredet oder gar eingewickelt hätten. Schnell mussten Hilfslügen her, dass die Deutschen von nichts gewusst hätten, damals doch eh alle dagegen gewesen wären, und sowieso Hitler und seine Clique alles Böse im 2. Weltkrieg begangen hätten. So kam der amerikanische Beauftragte für psychologische Kriegsführung Padover, nach dem er etliche Deutsche aus allen Schichten der Bevölkerung befragt hatte, zu dem Schluss, dass es in Deutschland keinen einzigen Nazi gäbe, alle wären Nazigegner, und Hitler hätte das alles alleine durchgezogen. Er schreibt in seinen Notizen von 1943 über Hitler: „Er hat den Krieg angefangen, er hat ganz Europa eingenommen, den größten Teils Russlands überrannt, 6 Millionen Juden vernichtet, sechs bis acht millionen Polen und Russen in den Hungertotd getrieben, vierhundert Konzentrationslager errichtet, die größte Armee Europas aufgebaut, und dafür gesorgt, dass die züge pünktlich fahren.“ Schnell wird klar, dass diese Lügen nicht der Ralität entsprechen, sondern von den Deutschen erfunden wurden, um sich der eigenen Verantwortung zu entziehen. Die Vernichtung von 6 Millionen Juden, welche vor der Haustür der Deutschen stattgefunden hat, kann nicht geschehen ohne das eben diese etwas davon mitbekommen. Die deutsche Wirtschaft als auch die deutsche Zivilbevölkerung hat aktiv daran teilgehabt dieses Verbrechen an der Menschlichkeit zu begehen, und bis zuletzt durchzuhalten. Exemplarisch sind hierfür die Firma Topf und Söhne in Erfurt, welche Verbrennungsöfen für Auschwitz produziert hatte, oder die Möbelspedition Staupendahl aus Weimar, welche das Konzentrationslager Buchenwald beliefert hatte.
Die deutsche Gesellschaft
Die deutsche Gesellschaft hat sich scheinbar verändert. Es wird sich nun öffentlich zu den Taten des dritten Reiches bekannt, die eigene Geschichte scheinbar lupenrein aufgearbeitet und die aktive Errinerung wird zum Rezept der zwanglosen Zukunft. Doch wird diese Aufarbeitung einmal genauer beobachtet ist schnell festzustellen, dass diese eben gar nicht so lupenrein ist. Zum einen wird der Nationalsozialismus so dargestellt, als ob die Nazis, ein losgelöstes Objekt waren, welches in die deutsche Gesellschaft eindrang, die Deutschen 13 Jahre lang unter Kontrolle hatten, und ohne deren Zutun diese schuldlosen Deutschen verführten. Zum anderen werden die Deutschen selber zu Opfern gemacht, einmal zu Opfern der Faschisten und zum anderen zu Opfern des so genannten allierten Bombenterrors. Dies manifestiert einmal in der Fokussierung auf die Figur Hitlers, welcher für sämtliche Verbrechen während 1933 und 45 verantwortlich gemacht wird, wie sie zum Beispiel in dem Film „Der Untergang“ stattfindet, und in dem Umgang mit deutschen bombardierten Städten, wie Dresden, deren Zivilbevölkerung zu gleichberechtigten Opfern der Nazis wie die vernichteten Jüd_innen stilisiert werden. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Bund der Vertriebenen, in welchem sich seit Jahren alte und neue Nazis, wie Tommy Frenck oder Winfried Kothe, beide Mitlgieder des BDVs und wohnhaft in Erfurt, welche sich offen mit der NPD solidarisieren, und ein Deutsches Reich in den Grenzen von 33 fordern, zusammen mit deutschen Bürgern treffen, um der Vertreibung der Deutschen aus Polen und der Sowjetunion zu gedenken, dabei den Kontext der Vertreibung einfach ausblenden, und die Vertriebenen auf eine Stufe stellen mit den Opfern des deutschen Vernichtungswahns. Ein weiteres Beispiel ist das Gedenken an Dresden, welches jährlich am 13 Februar stattfindet. Da wird davon gesprochen, dass die Dresdner Zivilbevölkerung sinnlos sterben musste, dass der Welkrieg längst vorbei, und die Bombardierung Dresdens ein sinnloser Racheakt der Alliierten gewesen sei. Ausgelassen wird hierbei, dass der Krieg zwar entschieden, keinesfalls aber vorbei war, dass die Deutschen, insbesondere Dresden mit der höchsten Anzahl NSDAP Mitglieder Nazideutschlands, weiter Widerstand gegen die Befreier leisteten, weiter Jüdinnen vernichteten, und weiter Waffen und Monition produzierten. Auch dass Dresden ein militärischer Knotenpunkt und die letzte intakte Kampfbasis vor der Ostfront, und somit sehr wohl ein strategisch wichtiger Punkt war, wird völlig ausgelassen.
Wie Aufarbteitung praktisch in der BRD funktioniert, zeigt sich sehr gut an dem Bespiel der Residenzpflicht, die Flüchtlinge in einen bestimmten Landkreis sperrt. Denn diese ist eine Regelung aus dem Nationalsozialismus, und wurde ganz einfach in der Bundesrepublik übernommen. Da scheint weder eine Aufarbeitung stattgefunden zu haben, noch ist da ein Bewusstsein da.
Abschiebungen ins Ausland oder in Flüchtlingsheime und Zwangsausweisungen gehören mittlerweile zum Alltag in Deutschland. Doch auch im Innland herrscht rassistische Gewalt. Erst kürzlich am 1. Mai gab es wieder eine Gewaltwelle in Deutschland gegen eben die, die nicht dazugehören, zum weltoffenen und friedlichem Land mit der düsteren Geschichte. In Apolda wurde ein Migrant von Nazis brutal zusammgeschlagen, in Oberroßla schlugen sich eindeutig rechtsradikale Personen erst mit einem Farbigen, und anschließend mit der Polizei, überall in Deutschland kam es zu ähnlichen Gewaltexzessen. Auch hier in Weimar ist die Lage brisant. Fast jedes Wochenende werden alternative Jugendliche angepöpelt oder geschlagen. Im Vorfeld des 5. April diesen Jahres, an dem hier in Weimar eine Großdemonstration der NPD stattfand gab es fast jede Nacht Naziangriffe, insgesamt 5 Jugendliche wurden so schwer verletzt, dass sie ambulant verarztet werden mussten. Außerdem erlebte die Gerberstraße, welche seit Jahren Politik gegen Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit macht, einen der schwersten Angriffe seit den 90er Jahren. Das alles ging an der Weimarer Öffentlichkeit scheinbar vorbei, ohne dass ein Aufschrei durch die Kulturstadt ging, kein Skandal wurde ausgelöst. Anscheinend braucht es erst ähnliche Zustände wie in Mügeln, wo wutentbrannte Deutsche Inder durch die Straßen hetzten, um die deutsche Öffentlichkeit aufzurütteln.
Das alles zeigt, dass Deutschland weder zu einem normalen Land geworden ist, noch dass die richtigen Schlüsse aus der Geschichte gezogen wurden, sie sogar noch verdreht und zugunsten der Deutschen ausgelegt wird. Deshalb sind wir heute hier, um darauf aufmerksam zu machen, was immer noch in diesem Land abgeht, den Alliierten von damals zu danken, die dem deutschen Wahn Einhalt geboten haben, und um dazu aufzurufen so zu handeln, dass etwas wie der Nationalsozialismus oder die Shoa sich nie wieder erreignet!!
Hier gibt es unseren Flyer zum 8. Mai als PDF.