Seit einiger Zeit geistert im öffentlichen Leben Weimars eine Person herum, die mit ihren Äußerungen und Handlungen eigentlich Aufschreie auslösen müsste, aber in der Öffentlichkeit toleriert wird als hätte mensch es mit einem waschechten Demokraten zu tun. Bei dieser Person handelt es sich um den CDU-Abgeordneten Peter Krause. Seit 2004 sitzt er für die Union im Thüringer Landtag und im Weimarer Stadtparlament. Zuzuordnen ist er dem neurechten Spektrum in der CDU.
So arbeitete Peter Krause 1998 mindestens ein halbes Jahr lang als Redakteur für die rechtsradikale Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und wurde bis zum Oktober 2003 in der offiziellen Liste der Autoren der Zeitung geführt. Unter Anderem führte Krause in der JF ein Interview mit Horst Mahler, dem Anwalt der NPD. Auch im Nachhinein beschreibt er die JF als „spannendes Projekt“ und als „völlig offenes Debattenblatt“. Bis 2001 schrieb er zusätzlich für das extrem rechte Blatt „Preußische Allgemeine Zeitung – Ostpreußenblatt“.[1]
Am 10. Februar erschien in dem sonst eher inhaltslosen Anzeigenblatt „Hallo Weimar + Apolda“ ein Artikel über eben diesen Peter Krause. Ein Artikel, der vor Geschichtsrevisionismus und Tatsachenverdrehung nur so strotzt. [2]
Der Artikel berichtet über die Bombardierung Weimars durch die englische Luftwaffe am 9. Februar 1945 und könnte ebenso in einem Neonazi-Blatt abgedruckt sein. Die Ereignisse werden als gnadenloses, terroristisches Verbrechen beschrieben: Die Bomber werden als „viermotorige ‚fliegende Festungen‘“ bezeichnet, die Bombardierung wird „Terrorangriff“ genannt, habe keinerlei militärische Bedeutung gehabt und habe sich vor Allem gegen die Weimarer Zivilbevölkerung gerichtet. Es ist die Rede von „unermesslichem Leid“. Kein Wort aber ist in dem Artikel darüber zu finden, wer den Krieg angefangen hat, kein Wort über von Deutschland zerstörte Städte in England, kein Wort von ermordeten Juden und Jüdinnen, kein Wort von den Kriegsverbrechen der Wehrmacht, kein Wort von Buchenwald, kein Wort davon, dass Buchenwald nur mit Hilfe von Weimarer Betrieben funktionieren konnte, kein Wort davon, dass die Weimarer Bevölkerung das Konzentrationslager auf dem Ettersberg geradezu ignoriert hat, kein Wort davon, dass es die Weimarer Bevölkerung war, die deportierte Juden bespuckt hat, als sie vom Bahnhof aus auf den harten Fußmarsch nach Buchenwald gezwungen wurden. Nein, die Rede ist nur von zerstörtem Kulturerbe. Aber scheinbar geht der Autor davon aus, dass sich Weimar in den vierziger Jahren in einer Blüte der Kultur befunden hat.
Besonders kurios ist, dass in dem Artikel unter den Opfern des Luftangriffs auch 600 Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald aufgezählt werden. Die traurige Tatsache, dass so viele Häftlinge bei den Luftangriffen gestorben sind, ist nämlich nicht der angeblichen Grausamkeit der englischen Bomber zu verdanken, sondern den Handlungen der Nazis und der Verwaltung. So wurden die Häftlinge meistens nicht in die zivilen Bunker aufgenommen. Bei den Gustlowwerken, die ein wichtiges Ziel für die Bomber waren, da es sich um Kriegsindustrie handelte, gab es nicht einmal Bunker. Es bestand kein Interesse die dort arbeitenden Häftlinge vor Bombenangriffen zu schützen.
Schließlich trauert der Autor noch über die 1.473 Soldaten aus Weimar, die im ersten Weltkrieg umgekommen sind. Was das unmittelbar mit der Bombardierung Weimars zu tun hat bleibt unklar, aber dem Autor geht es nicht um Tatsachen und darum Schlüsse aus der Geschichte zu ziehen, sondern darum die Deutschen als bloße Opfer darzustellen und jegliche Schuld von sich zu weisen. Deshalb werden erst mal alle unterschiedliche Todeszahlen in einen Topf geworfen und fertig ist der Opferbrei. Die Art der Tatsachenverdrehung und die Sprache des Artikels lassen sich kaum von Publikationen aus dem extrem rechten Milieu unterscheiden.
Was hat das ganze nun mit Peter Krause zu tun? Nun, über ihn wird berichtet: denn er war es, der am 9. Februar eine Viertelstunde lang (13 Minuten lang dauerte der Luftangriff auf Weimar) den Opfern des Flugangriffes gedacht hat. Keine „Probleme“ habe Peter Krause damit den Opfern des 9. Februars zu gedenken. Und dies ist eine wahre Wonnetat im sonst so „gedenkfreudige[n], offiziellen Weimar.“
Zum Einen wird hier gegen das Gedenken der Stadt Weimar an die Opfer des Nationalsozialismus geschossen (auf jenen Veranstaltungen wurde Peter Krause bis jetzt nicht erblickt), also gegen das Bewusstsein der Stadt für Buchenwald, ein Bewusstsein welches lange nicht ausgeprägt genug ist und über welches lange nicht genug diskutiert wird. Zum Anderen wird der Stadt vorgeworfen „bewusst [zu] vergessen“ und Peter Krause wird somit als letzter Aufrichtiger dargestellt, der von der offiziellen Gedenkpolitik ins Abseits gedrängt wurde. Dass dies nichts mit der Realität zu tun hat, wird besonders am alljährlichen Volkstrauertag deutlich, wenn Bürger und Politiker jeder Couleur auf den Hauptfriedhof rennen um über deutsche Opfer zu trauern und diese mit den Opfern des NS auf eine Stufe zu stellen, ohne sich der Geschichte dieses fragwürdigen Gedenktages bewusst zu sein. Sich als Opfer der Allgemeinheit zu stilisieren ist ebenfalls typisch für Publikationen von rechts außen.
Wenn mensch den Artikel gelesen hat, könnte mensch denken, dass der Autor des Artikels allerlei hinzugefügt hat, das nicht unbedingt etwas mit Peter Krause zu tun hat. Nur der kleinste Teil des Artikels ist über Krauses Gesinnung und Krause selbst wird nur zwei mal zitiert. Wenn mensch aber beachtet, dass sich das Anzeigenblatt schon immer in den Händen der CDU befindet, ist viel eher zu vermuten, dass Krause selbst den Anstoß für einen solchen Artikel gegeben hat. Durch diese Plattform und die kargen Zitate wird man Krause nicht festnageln können, wenn er sich später eventuell für angebliche Aussagen rechtfertigen muss. Doch die Weimarer Öffentlichkeit zeigt auch diesmal keine Reaktion. Die Frage ist was bei 67.000 Weimarern hängengeblieben ist, die am 10. Februar „Hallo Weimar + Apolda“ in ihren Briefkästen hatten. Eine kritische Reflexion ist wohl eher nicht zu erwarten.
Autonome Antifa Weimar [AAW]
[1] Antifaschistisches Infoblatt Nr. 66, Verblasenes Geraune – Rechte in der Union
[2] Hallo Weimar + Apolda zum Sonntag Ausgabe Nr. 06, 10.02.2007